15-05-2008

22-05-2008

 

„Keep it simple“ – Reining Clinic mit Chuck Klipfel  

 

Am vergangenen Wochenende war der aus Texas stammende Reining Trainer Chuck Klipfel mal wieder aus seiner Wahlheimat Österreich zu JP-Trainingstables auf der Nägelspitz in Kirn angereist, um einer inzwischen schon treuen Fangemeinde, sein Wissen rund um den Reining Sport näher zu bringen. Da Sabine Mitmannsgruber leider verhindert war, sprang spontan Melanie als Übersetzerin ein, so dass auch jeder den englischen Erklärungen und Anweisungen folgen konnte. Melanie Stark, genannt Melli reitet schon sei Jahre bei Chuck und konnte daher nicht nur als Übersetzerin helfen, sondern sich auch selbst auf das ein oder andere Pferd setzten.

 

 

Der Kurs wurde von Birgit Schmitt-Paeslack organisiert, welche jedoch an diesem Wochenende an einem  AQHA Showmanager-Seminar in Malmö (Schweden) teilnahm und daher leider nicht selbst anwesend sein konnte. Der Kurs war jedoch hervorragend organisiert und die Familie und das Team um die Pächterin der Anlage, Jessica Pesi, versorgten die zwei- und vierbeinigen Gäste großartig, so dass sich jeder der Teilnehmer bestens aufgehoben fühlte. 

 

 

Pünktlich um 9 Uhr am Samstagmorgen versammelten sich alle Teilnehmer in der Halle und obwohl bei diesem Kurs überwiegend schon Chuck erfahrene Teilnehmer anwesend waren, begann der Kurs wie immer mit dem checken der Ausrüstung aller Teilnehmer. Jetzt mag der ein oder andere sagen, dass dies doch eigentlich gar nicht mehr nötig sei, doch auch selbst nach einigen Kursteilnahmen gab es auch diesmal wieder etwas zu korrigieren.

 

 

Der Kurs war von der Zusammensetzung der Pferde und Reiter sehr harmonisch, so dass sich fast alle auf einem Level befanden. Da Chuck alle Pferde und Reiter schon von früheren Kursen kannte, wurde der Morgen dazu genutzt gemeinsam an den Basics zu arbeiten und Chuck konnte sich ein besseres Bild von dem neuen Leistungsstand der Einzelnen machen. Vor der Mittagspause teile Chuck die Reiter dann in zwei Gruppen ein, um noch individueller und intensiver auf die Teilnehmer eingehen zu können.

 

 

In der Mittagspause verwöhnte uns das Team von Jessica Pesi mit Chili con Carne, so dass die Reiter sich anschließend satt und zufrieden dem 2. Teil des Trainings widmen konnten.

Den Anfang machte die leicht stärkere Gruppe, welche gleich auf die morgendlichen Basics aufsetzte und sich vermehrt den Vorübungen zum Spin widmete. Manöver blieben vorerst Nebensache, denn wer sein Pferd nicht an der Basis arbeiten und jeden einzelnen Schritt kontrollieren kann, braucht mit diesen gar nicht erst zu beginnen.

 

 

Wichtig war es Chuck auch, dass die Kommunikation mit dem Pferd einer Unterhaltung gleicht und nicht der Reiter als Diktator auf das Pferd einwirkt. Der Reiter stellt die Fragen, das Pferd antwortet. Chuck nahm sich für jede seiner Übungen ein Pferd aus der Gruppe und ritt Übung und Korrektur auf diesem vor. Dadurch konnten die Teilnehmer gleich vom Profi lernen, wie es aussehen muss und hatten ein besseres Bild vor Augen, wenn sie selbst dran waren dies nachzureiten.

 

 

Nachgiebigkeit am Bein und Zügel, sowie Kontrolle der Schulter und des Rippenbereichs, waren die häufigsten Probleme, die in dieser Gruppe auftraten. Chucks Programm ist jedoch so ausgearbeitet, dass man mit wenigen und gezielten Übungen jedes Problem angehen und lösen kann. Dadurch werden weder Reiter noch Pferd mit Korrekturen überschüttet und es ist einfacher diese auch zuhause wieder nachreiten. Wollte es jedoch so gar nicht klappen, setzten sich auch mal Chuck oder Melli selbst aufs Pferd und danach gab es oft erstaunte AHAs zu hören, wenn sich das eigene Pferd auf einmal völlig anders anfühlte. Einige Teilnehmer filmten den gesamten Kurs, um sich die von Chuck vorgerittenen Basics & Korrekturen auch zuhause immer wieder ansehen zu können.

 

 

Auch die zweite Gruppe begann die Basics zu vertiefen und kam am Ende fast so weit wie die erste Gruppe, so dass der morgige Tag genutzt werden könnte, um an speziellen Reining Manövern zu arbeiten. Am Samstagabend fand am Grillplatz auf der Anlage ein „American BBQ“ statt; die Gäste saßen zum Teil bis Mitternacht am Feuer und genossen es sich, seit dem letzten Kurs, endlich mal wieder zu sehen und allerhand Neuigkeiten auszutauschen.

 

 

Pünktlich um 9 Uhr ging es am Sonntagmorgen mit der leicht schwächeren Gruppe wieder los und hier bot Chuck etwas völlig Neues an, was er bisher noch auf keinen Kurs gemacht hatte. Er und Melli ritten jedem Teilnehmer sein Pferd in allen Basics vor, erklärten laut was sie für Hilfe gaben und warum sie welchen Fehler korrigierten. Chuck nannte dies ein Geschenk an die Pferde und Teilnehmer, die beide dadurch ein besseres Verständnis entwickeln sollten. Der Reiter lernte wie er seine Frage verständlich zu stellen hat und wie die entsprechende Korrektur aussieht und das Pferd was die richtige Antwort ist und was von ihm verlangt wird. Für alle Teilnehmer war dies eine hilfreiche und bereichernde Erfahrung und einige erlebten anschließen ein völlig neues Reitgefühl.

 

 

In der zweiten Gruppe wurde vermehrt an den Problemen des Vortags gearbeitet und Chucks reiterlichen Fähigkeiten wurden mehrfach unter Beweis gestellt, da ein Pferd doch sehr diskussionsfreudig war und das komplette Repertoire auspackte von Steigen, über an der Bande abstreifen, losrennen und einfrieren, um auf keinen Fall die gewünschte Antwort zu geben. An dieser Stelle mal ein großes Dankeschön an Chuck, denn nicht jeder Trainer würde sich an einem Kurswochenende auf alle Pferde setzten und immer wieder mit der gleichen Geduld und Ruhe dem Pferd und Reiter versuchen verständlich zu machen, was von Ihnen verlangt wird.

 

 

Nach einer erneuten Grillsession in der Mittagspause waren beide Gruppen soweit am fliegenden Wechsel und Stop zu arbeiten, sowie die verschiedenen Reiningelement miteinander zu kombinieren. Und hier gab es wirklich das ein oder andere Erfolgserlebnis, so schaffte es eine Reiterin nun im für sie  3. Kurs bei Chuck, ihr Pferd  in schönster Manier fliegend zu wechseln, nachdem der Reiterin von manch anderem Profitrainer gesagt bekam, dass dieses Pferd niemals fliegend wechseln wird.
Als es um 19.30 Uhr hieß sich zu verabschieden, war eine deutliche Wehmut zu spüren und der ein oder andere wäre gerne noch ein paar Tage länger geblieben.  Doch durch die Kurse sind tolle Freundschaften entstanden und einige der Teilnehmer sind sich jetzt schon sicher, dass sie sich bis zum nächsten Kurs treffen werden, um gemeinsam zu trainieren.
Und so können wir sicher sein, dass dieser Kurs nicht der letzte von Chuck Klipfel in Deutschland bzw. Rheinland-Pfalz gewesen sein wird und wir freuen uns schon auf den Nächsten.

 

 

Text: Jessica Reinecke Fotos: Stephan Glenk