18-09-2008 Weltmeisterschaften Reining - Deutsches Team gewinnt mit Bronze erstmals eine WM-Medaille
Manerbio/ITA (fn-press). Erstmals haben die deutschen Reiter bei Reining-Weltmeisterschaften eine Medaille gewonnen. Mit Bronze (662,5 Punkte) beendete das deutsche Team die WM, die Mitte September im norditalienischen Manerbio nahe Brescia ausgetragen wurde. Mannschaftsweltmeister wurde das Team des Gastgebers Italien (667,5), das Titelverteidiger USA auf den Silberplatz (663,5) verwies. In der Prüfung gingen insgesamt 47 Reiter aus 17 Ländern an den Start, von denen zehn Nationen eine Mannschaft stellten. Großen Anteil an der ersten Medaille für Deutschland hatte Sylvia Rzepka mit dem sechsjährigen Quarter Horse Doctor Zip Nic. Die in Mitterndorf bei Wien lebende Deutsche holte das Edelmetall nahezu im Alleingang. Als dritte Teamreiterin katapultierte Rzepka bei ihrem zweiten Championatseinsatz die bis dahin auf dem sechsten Platz liegende Mannschaft in die Medaillenränge. Damit war sie wie schon 2006 bei den Weltmeisterschaften in Aachen die Beste im deutschen Team. Mit ihrer Leistung rettete sie nicht nur eine Mannschaftsmedaille für Deutschland und den Seelenfrieden von Bundestrainer Kay Wienrich (Schwalmtal-Amern), Equipechef Paul Kratschmer (Bad Camberg) und Teamtierarzt Dr. Mathias Gräber (Weinheim). Die 32-jährige Profitrainerin sorgte auch dafür, dass eine deutsche Mannschaft überhaupt das erste Edelmetall bei einer WM holte. Schon zweimal hatten deutsche Teams bei Weltchampionaten Pech gehabt und mit vierten Plätzen in den Jahren 2002 und 2006 knapp den Sprung auf das Treppchen verpasst. Auch diesmal schien es zunächst, als sollte den Deutschen das Glück bei diesem Championat fehlen. Einen schlechten Start erwischte der erste deutsche Reiter, Oliver Stein (Rhede), der mit Smart Little Lenic unter den Erwartungen blieb und mit 209 Punkten das spätere Streichergebnis lieferte. Besser lief es bei Emanuel Ernst (Windeck) mit Legends Diamond Doc. Doch seine 215,5 Punkte reichten auch noch nicht und die Hoffnung auf eine Medaille schwanden. Bis Sylvia Rzepka kam. Die WM-Achte von Aachen zeigte den Ritt ihres Lebens und wurde von den Richtern mit dem Tageshöchstergebnis belohnt: 227,5 Punkte. „Hero oder Zero – das liegt nah beieinander“, beschrieb sie anschließend, wie risikoreich der Ritt war, dessen Score auch ihre persönliche Bestmarke ist. Und so standen die Edelmetall-Aktien wieder gut. Championatsneuling Daniel Klein (Selm) verteidigte als letzter Mannschaftsreiter nervenstark den möglichen Erfolg und sicherte die Medaille mit Dealin Gin (219,5). „Man muss ja sagen: Diesen Erfolg verdanken wir der Tatsache, dass wir ein so gutes Team sind und wir deshalb am Ende auch aus den Karren aus dem Dreck rausbekommen“, lobte ein sichtlich erleichterter Bundestrainer den Zusammenhalt der Gruppe direkt nach der Mannschaftsprüfung. Nach diesem Kraftakt trennte nur ein einziger Punkt das deutsche Team von Silber. Deutlicher hingegen zeigte sich der Unterschied zwischen Italien und den USA. Mit vier Punkten setzten sich die Italiener, die seit Jahren zu den Favoriten zählen, von den Teamweltmeistern 2002 und 2006 ab. Nach ihrem Team-Ritt zählte Sylvia Rzepka zu den Favoriten für die zwei Tage später ausgetragene Einzelwertung, für die sich die 20 besten Reiter der Mannschaftsprüfung qualifiziert hatten. Diesmal fehlte ihr bei ihrer auf Angriff gerittenen Vorstellung aber das letzte Quäntchen Glück. Ein Fehler beim Galoppwechsel kostete die einzige Frau im deutschen Team einen Platz auf dem Treppchen. Mit dem fünften Platz in der Einzelwertung ritt Silvia Rzepka sich mit Doctor Zip Nic jedoch in die Top Five der WM (224 Punkte). „Das ist eine sehr gute Leistung. Das Ergebnis zeigt vor allem, dass Sylvia am Freitag alles für das Team gegeben hat. Das rechne ich ihr sehr hoch an. Sie hat echten Sports- und Teamgeist bewiesen. Sie überzeugt als Mensch und durch ihre Leistung. Überhaupt bin ich sehr stolz auf das ganze Team,“ sagte Bundestrainer Kay Wienrich nach dem Einzelfinale. Neben Sylvia Rzepka hatte sich auch Championatsneuling Daniel Klein für das Einzel qualifiziert. Er kam mit Dealin Gin auf den 16. Platz. Im Einzelfinale waren mit vier Reitern die US-Amerikaner komplett in der Einzelentscheidung vertreten. Die Italiener, Briten und Belgier hatten drei Reiter am Start. Hinzu kamen je ein Reiter aus Kanada, Österreich und der Schweiz. Neuer Weltmeister ist der US-Amerikaner Jordan Larson mit Lena Gallo (228). Vize-Weltmeister wurde Dario Carmignani (ITA) mit Arc Magic Enterprise (227). Die Bronzemedaille wurde zweimal vergeben. Sowohl Gennaro Lendi (ITA) mit Playing It Out als auch Craig Schmersal (USA) mit Mr. Dual Rey scorten 225 Punkte.
In Manerbio fanden die ersten eigenständigen Reining-Weltmeisterschaften seit Aufnahme der Disziplin in das Programm des Weltreiterverbandes (Fédération Equestre Internationale, FEI) im Jahre 2000 statt. Damit wurde das Championatssystem den übrigen nicht-olympischen Disziplinen Voltigieren, Fahren und Distanzreiten angeglichen: Von nun an werden alle zwei Jahre im Wechsel Welt- und Europameisterschaften ausgetragen. WM-Premiere feierte die Reining im Jahre 2002 bei den Weltreiterspielen in Jerez de la Frontera. Die zweite WM fand 2006 in Aachen statt. „Wir gehören zur Weltspitze. Das haben wir bei dieser WM gezeigt. Sylvia ist eine hervorragende Reiterin und hat ein Spitzenpferd. Und in der Teamwertung trennte uns nur ein Punkt von der Silbermedaille, die die Amerikaner gewonnen haben“, bilanzierte Kay Wienrich die dritten Weltmeisterschaften, an denen er beteiligt war – 2002 noch als Reiter und seit 2006 als Bundestrainer. Und als solcher gilt für ihn besonders: Nach dem Championat ist vor dem Championat. „Wir müssen jetzt die Weichen für Kentucky 2010 stellen.“ Bo Quelle: fn press , Foto: Andrea Bonaga |