17-05-2009
Die Vorher-Nachher-Show – Kursdebüt mit Ralf Hoffeld auf dem Hofgut Bergfrieden

Ein besseres Wetter hätte man sich für den Halterkurs nicht wünschen können. So fanden sich Ende März bei strahlendem Sonnenschein 13 motivierte Halterneulinge auf dem idyllisch zwischen Hunsrück und Mosel gelegenen Hofgut Bergfrieden ein.
Doch nicht nur die Teilnehmer hatten ihr Debüt in Sachen Haltern, auch für Familie Scholl, die Betreiber der weitläufigen Anlage, war es das erste Mal, dass sie eine solche Veranstaltung anboten.

Nach einer kurzen Begrüßung, in der sich Ralf Hoffeld bei jedem einzelnen nach seinen selbst gesteckten Zielen erkundigte, ging es dann auch sofort zur Sache.
Der Merziger Trainer stellte in seinem theoretischen Teil die verschiedenen Halterklassen vor, ging auf das Regelwerk der unterschiedlichen Zuchtverbände ein und erklärte ausführlich die Findung des Grand Champions.

Der nächste Punkt auf der umfangreichen Tagesordnung war die Definition des Haltern und die Anforderungen an ein Halterpferd. Hier stellte sich heraus, dass natürlich kaum einer der Anwesenden ein Pferd besaß, das die Anforderungen der amerikanischen Shows erfüllte. Aber auf den nationalen Shows hat man mit einem gut proportionierten, ordentlich bemuskelten und dem Rassestandard entsprechenden Pferd gute Chancen auf einen vorderen Platz.
Was man sich eigentlich als gähnend langweilige Theorie vorstellte, verpackte der über Jahre erfolgreiche Trainer so lebendig und interessant, dass selbst die eingefleischten Reiner unter den Teilnehmern gefesselt lauschten.

Überhaupt war die Teilnehmerschar eine gemischte Truppe, hier trafen Reiner auf Züchter, ambitionierte Turnierreiter in Performanceklassen auf Youth-Reiter.
Neuland war für die meisten Anwesenden die Möglichkeiten und Methoden zur Verbesserung bestimmter Körperpartien mittels Einsatz von Schwitzmanschetten und gezieltem Training. Auch wenn sicher nicht alle Teilnehmer sich mit diesem aufwendigen, spezifischen Haltertraining befassen werden, gehörte dieser Punkt genauso aufs Tapetchen und wurde von Ralf Hoffeld en detail erklärt. Dafür brachte er die diversen Gerätschaften und Mittelchen gleich mit, führte den korrekten Einsatz vor und gab den Zuhörern wertvolle Tipps anhand.

Er betonte dabei immer wieder die Wichtigkeit, alles mit Maß und Ziel einzusetzen und die Pferde ihrem Alter entsprechend zu arbeiten. Das bedeutet bei einem Baby nur ein paar Minuten und wird mit steigendem Alter natürlich immer länger.
Jetzt war dringend eine Pause fällig, denn nach so viel Input rauchte so mancher Kopf. Heike Scholl, die Chefin vom Hofgut Bergfrieden, servierte ihren Gästen einen deftigen Eintopf mit hofeigenem Rindfleisch und Rindswürstchen ihrer Herford-Zucht. Überhaupt lies es die Gastgeberin an nichts fehlen und hatte auch zum Kaffee einige leckere Kuchen
aufgetischt.

Nach der Stärkung ging es zur Praxis. Eva Haasenritter hatte ihren Hengst RHR Ima Sheik mitgebracht. Nach kurzem Longieren des Hengstes wurde mit dem Youngster das korrekte Aufstellen geübt. Ralf Hoffeld demonstrierte mit dem noch halterunerfahrenen Junghengst, wie man das Set Up angeht. Wichtig ist, das Aufstellen mit der Hinterhand zu beginnen. Wenn das gelungen ist, widmet man sich der Vorhand. Dabei ist natürlich eine Engelsgeduld gefragt, denn kaum steht das Pferd mit drei Beinen richtig, wird durch den Versuch auch das vierte Bein korrekt zu platzieren, alles zunichte gemacht.

Anne Scholl präsentierte nun ihre turniererfahrene Stute Genie in Chocolate, die sich schon fast von selbst korrekt aufstellt. Mit ihr durften die Kursteilnehmer eine komplette Halterprüfung durchlaufen.
Was danach kam, erinnerte stark an die „Vorher-Nachher-Show“ und wurde auch bewusst so aufgezogen. Ralf Hoffeld nahm sich erneut den Hengst RHR Ima Sheik vor und demonstrierte an der rechten Seite des Pferdes, wie verändert ein Pferd durch einige wenige Details wirken kann.

Zunächst nahm er sich die Füße des Hengstes vor. Er wusch die Hufe mit klarem Wasser und trocknete sie. Dann schnitt er zunächst mit der Schere die überstehenden Haare am Kronrand und die langen Haare an den Fesseln ab. Die überwiegend hellen Hufe lackierte der Trainer mit klarem Huflack und fixierte diesen mit einem Lackfestiger. Das Ergebnis war schon überzeugend.

Als er dann noch die Haare der Fesseln komplett rasierte, die hellen Haare mit einer speziellen Kreide hervorhob, war das Erstaunen der Teilnehmer groß. Der Vergleich zu Vorher stand ja in Form des linken Fußes daneben.

Weiter ging es an den Kopf des Hengstes. Der Proband zeigte sich wirklich cool, denn der musste ja zum ersten Mal in seinem Leben die Bekanntschaft mit einer Schermaschine machen. Ralf entfernte zunächst die Haare unter den Ganaschen. So kam der Kopf des Hengstes erst wirklich richtig zur Geltung.

Besondere Wow-Effekte stellten sich ein, als der Merziger den Einsatz eines Schweiftoupets und die dadurch erzielte Veränderung demonstrierte. Er zeigte den Teilnehmern, wie man diese „Dinger“ korrekt am Schweifhaar befestigt und was es dabei zu beachten gilt.
Die extreme Verbesserung des Aussehens des Versuchspferds RHR Ima Sheik überzeugte selbst den letzten Skeptiker von der Notwendigkeit eines Toupets bei manchen Pferden.

Ein anstrengender Tag für alle Beteiligten neigte sich dem Ende und alle Teilnehmer waren sich sicher, dass dieser Kurs förmlich nach einer Fortsetzung schreit. Dann wolle man das eigene Pferd mitbringen und sich verschärft mit der Praxis befassen.

Für Familie Scholl vom Hofgut Bergfrieden zeigte diese gelungene und mit 13 Teilnehmern gut besuchte Veranstaltung, dass durchaus ein Bedarf an interessanten Kursen besteht. Dies wird auf keinen Fall der letzte Kurs sein, der auf der idyllischen Ranch stattfinden wird.
Infos zum Hofgut Bergfrieden unter www.hofgut-bergfrieden.de
Fotos: S. Alfs |