07-06-2009

12-06-2009

Grischa Ludwig (GER), Rudi Kronsteiner (AUT), Ann und Bernard Fonck (BEL): „Wir fahren nicht nach Kreuth zum Derby.“

(Hans-Peter Viemann). Immer weniger Teilnehmer verzeichnet das für die Westernreiter bedeutende Deutsche Derby. Waren es beim italienischen Event im Mai dieses Jahres rund 170 Starter in der Open, sollen dem Vernehmen nach, für die vom 21. bis 28. Juni auf dem Terminkalender stehende Veranstaltung in Kreuth, nur noch rund 25 (!) Teilnehmer ihre Startbereitschaft erklärt haben. Eine Tatsache die zum Nachdenken veranlasst.

In Gesprächen mit den richtungweisenden Reiner der Szene, Rudi Kronsteiner (Österreich), der seit Jahren einen Trainingsstall in Deutschland betreibt und daher mit der derzeitigen Situation sehr gut vertraut ist, Ann und Bernhard Fonck (Belgien) stets gern gesehene Teilnehmer auf den Top-Events in Europa, sowie Grischa Ludwig vom Schwantelhof in Bitz und Nico Hörmann von der Riverlane Ranch in Bünde, kristallisierte sich heraus, dass es für die Westernreiterei kontraproduktiv ist, wie über dieses Thema auf der Führungsetage der National Reining Horse Association (NRHA) Germany diskutiert und geurteilt wird. Wenn es nach der Auffassung der Befragten ginge, sollte es schnellstmöglich zu einer Zusammenarbeit zwischen den beiden Verbänden NRHA Germany und Reining Deutschland kommen. „Zumindest aber zu einer Übereinstimmung in der Einschätzung, Handhabung und Regelung die den Spitzensport betreffen“, dies jedenfalls ist der geistesverwandte Tenor von Grischa Ludwig, Nico Hörmann und Rudi Kronsteiner.

Grischa Ludwig erklärte: „Ich gehen nicht auf das NRHA Derby in Kreuth weil wir ein Zeichen setzen- und darauf hinweisen wollen, dass sich seit Jahren nichts an der Vereinspolitik in diesem Verband geändert hat. War man vor Jahren noch in der guten Ausgangslage am Verhandlungstisch etwas erreichen zu können, hat man sich stattdessen mehr und mehr ins Abseits manövriert.“ Ebenfalls bemängelt der Trainer, dass die NRHA Germany  in Sachen Promotion und Sportmarketing „ihre Hausaufgaben nicht gemacht habe.“ Nach einer kurzen Pause ergänzt der Schwabe: „War Deutschland vor Jahren noch das Mekka der Westernreiter in Europa, finden heute keine hochwertigen Events mehr bei uns statt. Deshalb müssen wir alle gemeinsam schnell handeln, damit Deutschland wieder auf die Überholspur kommt. Wir sind dazu jedenfalls bereit.“     

Rudi Kronsteiner stellte fest, dass das Niveau des deutschen Derbys enorm abgefallen ist. Er sagte: „Eine sportliche Herausforderung ist für mich auf diesem Event nicht mehr gegeben. Doch genau die braucht jeder Sportler um eine Bestätigung seiner Leistung zu erhalten. Aber auch um sich weiter zu verbessern. Dies wiederum geschieht nur dann, wenn sich die Besten der Besten dem Wettbewerb stellen. Und ohne deren Teilnahme ist der Stellenwert dieser Veranstaltung einfach gering.“ Auf den Aspekt, dass sich die in Kreuth erzielten Ergebnisse nicht in den Rangierungslisten der NRHA USA wieder finden, weisen Ann und Bernard Fonck hin: „Wir haben für zwei Pferde in Deutschland einbezahlt. Beide sind in Reggio Emilia gelaufen. Wenn wir die Wertigkeit zwischen Italien und Deutschland vergleichen müssen wir sagen, dass Germany für uns und unsere Kunden viel, viel weniger interessant geworden ist. Hinzu kommt, und auch das ist ein wichtiger Punkt, das Verhältnis zwischen den Start- und Gewinngeldern. In Deutschland ist die Startgebühr hoch, die Belohnung gering. In Italien moderat- und es gibt hohe Siegprämien.“

Zu den Fakten: 1.) Die NRHA Germany ist der weltweit einzige Verband der nicht mit der NRHA USA vernetzt ist. Ergo: Damit gerät das Gefüge immer mehr- und weiter aufs Abstellgleis. 2.) Die Erfolge der Reiner auf den Veranstaltungen der NRHA Germany werden nicht für die Rangierungslisten der NRHA USA anerkannt. 3.) Es werden keine Richter der NRHA USA mehr auf ihren Turnieren einsetzt (Ausnahmen bilden: ältere- bzw. in Amerika suspendierte Richter). Dazu Nico Hörmann: „Ich stehe voll hinter der Meinung meiner Kollegen. Bereits auf dem Osterturnier habe ich lediglich am CRI teilgenommen. Und diesmal nur wegen der Verpflichtungen gegenüber meiner Kunden und Schüler. Meines Erachtens wird zwangsläufig das Niveau im deutschen Reiningsport sinken, da jetzt fast nur noch Richter zum Einsatz kommen, die von der NRHA Germany ausgebildet worden sind. „Denn“, so verdeutlicht er folgend: „Man muss kein Professor sein um zu erkennen, dass sich nur im globalen Vergleich und durch Experten, der tatsächliche Leistungsstand der Reiter beurteilen lässt.“ Der 30-Jährige ergänzt zudem: „Dies ist kein Vorwurf an unsere Richter. Es fehlt ihnen jedoch die enorm wichtige internationale Erfahrung.“ 4.) Höheres Preisgeld auf den Veranstaltungen der NRHA USA. Der Dachverband des Reiningsports fördert diese Reitweise. In vielen Ländern gibt es Tochterverbände, sie werden Affiliates genannt. Reining Deutschland ist eine Tochtergesellschaft. Sie richtet die sehr gut dotierten Shows in Good Old Germany aus.  

Um es klar auszudrücken: Es geht den Trainern nicht darum, dass sich ein Verband auflöst, sondern „um eine Verschmelzung damit der Spitzensport endlich weiter nach vorne gebracht werden kann.“ Es ist eine Tatsache, die sollte eigentlich allen Funktionären bekannt sein, dass jede Sportart nur dann für den Nachwuchs oder den interessierten Leuten von Bedeutung ist, wenn sich die Kinder, Jugendlichen und Erwachsene mit den so genannten Stars der verschiedenen Sportdisziplinen identifizieren können. Einige Beispiele gefällig, bitte sehr: Wer wollte nicht einmal ein grandioser Fußballer wie Fritz Walter, „Kaiser“ Franz Beckenbauer oder Wolfgang Overath sein? Dominator in der Formel 1 wie Michael Schumacher, ein Tenniscrack der Klasse Steffi Graf, Boris Becker, Roger Federer? Vielleicht auch ein Reiter der Güteklasse Hans-Günter Winkler oder Alwin Schockemöhle? Jede Sportart braucht seine Vorzeigeathleten. Und dass die hier genannten Namen jeweils für einen riesigen Boom in ihrer Sportart gesorgt haben, sei nur noch am Rande erwähnt. Kein Interessent wird sich in einem Verein/Verband ect. anmelden, außer vielleicht Freunde und Bekannte, nur weil Herr X oder Frau Y Präsident(in) ist.  Bleibt im Sinne des Westernreitsports nur zu hoffen, dass sich die Repräsentanten der Verbände schnellstmöglich, ohne jegliche Bedingungen, an einen Tisch setzen und nach Lösungen (nicht nach Pöstchen) suchen. Man beachte in diesem Zusammenhang: Die Funktionäre sind für die Mitglieder da- aber nicht umgekehrt!

 

 

Quelle: H.-P. Viemann, Foto: S. Alfs