03-08-2009
Ludwig Quarter Horse: Die Aufbruchstimmung auf dem Schwantelhof in Bitz ist spürbar / Neues Trainingszentrum im Zollernalbkreis.

Foto: HPV – Schwantelhof, Bitz
(Hans-Peter Viemann). Die Damenstimme im Navigationsgerät sagte: „Jetzt bitte links fahren und danach haben sie ihr Ziel erreicht.“ Der Zielort war das Gestüt Ludwig Quarter Horse (LQH) auf der Schwäbischen Alb in Bitz.
Nach der Ankunft auf dem Schwantelhof – bei Sylvia Maile, Grischa Ludwig und Trainer Torsten Gärtner – war gleich eine untrügliche Aufbruchstimmung spürbar. Ringsum blickte man in freundliche Gesichter. Ein Hallo hier, ein wie geht’s dort, darf ich ihnen einen Kaffee oder etwas anderes zum trinken bringen, verdeutlichten die vereinte und gelöste Fröhlichkeit auf der gesamten Anlage. Es ist unübersehbar, dass dort, wo zurzeit rund 120 Pferde – davon 75 Prozent Hengste – eingestallt sind, sich ein eingespieltes Team auf die Nahe Zukunft freut. Denn es hat sich längst bei LQH herumgesprochen, dass ein neues modernes Trainingszentrum gebaut werden soll- und der erste Spatenstich kurz bevor steht. Die Reitanlage umfasst ein Wohnhaus, eine Halle mit neuen Stallungen für 40 Pferde, ein Stallgebäude mit Heu- und Futterlager sowie ein gemütliches Reiterstübchen.
Der Gemeinderat der Gemeinde Bitz (Zollernalbkreis) hat am 28. April 2009 in einer öffentlicher Sitzung die Aufstellung des Bebauungsplanes „Schwantelhof - Sondergebiet Pferdehof“ nach § 2 Abs. 1 BauGB und die Durchführung einer frühzeitigen Beteiligung der Öffentlichkeit nach § 3 Abs. 1 BauGB beschlossen. Anschließend konnten Auskünfte und Informationen zu dieser Planung bis einschließlich zum 25. Mai 2009 eingeholt werden.
Pferdewirtschaftsmeisterin Sylvia Maile erklärt weiter: „Für den Bebauungsplan wurde ein Umweltbericht mit integrierter Darstellung der Grünordnungs- und Kompensationsmaßnahmen sowie der Eingriffs- und Ausgleichsbilanz erstellt. Wie das Baugesetzbuch vorschreibt wurde auch die Aufstellung eines Bebauungsplanes für die Belange des Umweltschutzes und eine Umweltprüfung durchgeführt.“ Grischa Ludwig, Sylvia Maile und Torsten Gärtner sind sich einig, dass in Kürze „noch sehr viel Arbeit uns kommen wird“. Allerdings ist die Crew aus der LQH Führungsetage auch fest davon überzeugt, dass sich „der enorme Aufwand und zu erwartende positive Stress lohnen wird.“

Bebauungsplan: Gemeinde Bitz (Zollernalbkreis)
Torsten Gärtner ist seit Anfang März dieses Jahres wieder als selbstständiger Trainer auf dem Schwantelhof tätig. Neben der Trainingsarbeit von zwölf bis 15 Vierbeinern täglich, ist er auch als Ausbilder für 25 Non Pros und Jugendliche verantwortlich. Sein Tag ist ausgelastet- und daran kann nicht der geringste Zweifel bestehen. Der erfahrene Coach kann es nicht erwarten, dass es „endlich losgeht.“ „Denn“, so hat der Trainer erkannt „bei einem größeren Platzangebot ist auch eine noch effektivere und bessere Schulung möglich.“
Der Arbeitstag auf dem Hof beginnt täglich um sieben Uhr- und ab acht Uhr werden die ersten Vierbeiner gesattelt und trainiert. „Und daran“, so sagt Grischa Ludwig „wird sich auch nach den Baumaßnahmen nichts ändern.“ Drei Trainer, eine fest angestellte Arbeitskraft, vier Lehrlinge, eine Praktikantin und zwei behinderte Helfer kümmern sich gegenwärtig um das Wohlergehen der Tiere. Der Personalbestand, so ist zu vermuten, wird sich im neuen Trainingszentrum nicht groß ändern. „Weil“, so denkt der Hausherr, „der Arbeitsaufwand ja gleich bleiben wird.“ Auf seine Mitarbeiter sieht Ludwig jedoch einen größeren Nutzen zukommen: „Viele der bisherigen Tätigkeiten werden ihnen leichter gemacht und dementsprechend auch einfacher von der Hand gehen.“ Hinzu kommt der „TG“ Sattelshop, der von einer weiteren Person geleitet wird. Organisiert wird das gesamte Unternehmen mit seinen vielen Aktivitäten von Sylvia Maile, der guten Seele vom Schwantelhof. Sie hält die Fäden fest in ihren Händen und auch dies ist unüberhörbar: Sylvi hier und Sylvi dort, wo ist die Chefin, hat jemand Sylvia gesehen? ertönt es fortwährend auf der Anlage. Die LQH Managerin bleibt dabei äußerst gelassen, sagt lediglich, wobei ein Grienen nicht zu übersehen ist: „Einer muss ja auch das Sagen haben.“
Während es der vielfache Europameister und Vorzeigereiner, Grischa Ludwig, in diesem Jahr etwas ruhiger im Turniersport angehen lässt, „die letzten zwei, drei Jahre bin ich sehr viel auf Achse gewesen und europaweit gestartet“, ist Torsten Gärtner häufiger auf Tour. Dabei wird er von den Non Pros und Jugendlichen von LQH begleitet. Ein Grund für diese Tatsache ist aber auch, dass der Hausherr zurzeit kein entsprechendes Pferd hat um „ein wichtiges Wort bei der Vergabe des NRHA World Championtitels mitreden zu können.“ Der 35-Jährige ergänzt, dass zwar einige junge und hoch talentierte Hengste im Stall stehen würden, er diese „aber nicht überfordern wolle.“ Und wie auf Bestellung wird von einem grinsenden Torsten Gärtner ‚hinterlistig’ nachgeschoben: „Und wenn ich auf Reise bin muss sich ja einer um die Vierbeiner kümmern. Und wenn nicht der Boss selbst, wer denn sonst? Zudem darf die Trainingsarbeit nicht zu kurz kommen.“ Ein herzhaftes Lachen der Protagonisten beendet schließlich den Gedankenaustausch.
Allein dieser spontane ‚Spruch’ ist ein Beweis für den freundschaftlichen und guten Umgang unter den Trainern sowie der gesamten Mannschaft. Die beiden erfolgreichen Reiter und Ausbilder sowie Sylvia Maile dokumentieren aber auch, dass nur eine gesunde und förderliche Zusammenarbeit große Erfolge versprechen. Außerdem zeigen sie auf, dass sich auch heute noch durch ein gutes Teamwork, und nicht zuletzt durch Fleiß, Fortschritte erzielen lassen. Die Vordenker vom Schwantelhof auf der Schwäbischen Alb in Bitz jedenfalls haben die Zeichen der Zeit erkannt. Doch was noch wichtiger ist: Sie auch zudeuten und nutzen gewusst.

Foto: HPV – Besitzerstolz: LQH – Jährlinge
Quelle u. Fotos: Hans-Peter Viemann
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