07-06-2009

 

25-10-2009

Hafer – nur bei guter Qualität ein optimales Pferdefutter

Der Hafer, über Jahrhunderte auch die wichtigste Nahrungsquelle des Menschen, ist und bleibt ein wichtiges Pferdefutter, doch die Qualität muss immer stimmen.

 

Stärke mit hoher Verwertung

Schon die Haferkörner haben eine ideale Größe und Kaufestigkeit für Pferde. Das Quetschen des Hafers ist hierbei nicht von Vorteil, es sei denn die Pferde weisen bereits erhebliche Zahnschäden auf. Im Gegenteil, es ist gut für die Tiere, wenn sie zunächst einen intensiven Kauvorgang durchführen müssen. Für ein kg Hafer benötigen ausgewachsene Pferde gut 10 Minuten Futteraufnahmezeit und führen dabei ca. 830 Kauschläge durch. Mit seinem hohen Spelzenanteil liefert Hafer den Pferden zugleich auch einen wichtigen zusätzlichen Rohfasergehalt. Hafer ist reich an ungesättigten Fettsäuren und Schleimstoffen, was sich besonders positiv auf den Stoffwechsel der Tiere auswirken kann. So gelingt ein glänzendes Haarkleid, der Schutz der Darmschleimhaut und auch gute Fruchtbarkeit. Auch Eiweißmenge und Qualität reichen meist für alle Altersgruppen aus. Bei Absatzfohlen und bei säugenden Stuten empfiehlt sich aber die vorübergehende Zugabe eines Ergänzungsfuttermittels mit einem hohen Eiweißanteil. Für Leistungspferde kann Hafer auch dem Mischfutter zugesetzt werden.

 

 

 

Stets mit Mineralfutter ergänzen

Der Mineralstoffgehalt im Hafer zeigt dagegen für alle Pferde kein Optimum auf. Hafer ist vor allem sehr kalziumarm. Nur ein Gramm Kalzium findet sich im Mittel in einem kg Hafer. Mit ca. 3,2 g Phosphor pro kg Hafer wird im Durchschnitt dann ein Kalzium - Phosphor Verhältnis unter 1:1 erreicht, und das ist nicht gut für die Tiere. Für Pferde sollte das Kalzium - Phosphor Verhältnis bei 1,8 bis 2 zu 1 liegen. Liegt es darunter werden dem Skelett bereits Mineralien entzogen. Das ungünstige Kalzium - Phosphor Verhältnis wird auch durch Heuzugaben heute meist nicht mehr ausgeglichen. Hafer hat auch einen Mangel an den fettlöslichen Vitaminen A und D, ist natriumarm und enthält die Aminosäuren Lysin, obgleich hier im Vergleich zu allen anderen Getreidearten mit höchstem Gehalt, sowie Methionin, zumindest für Absatzfohlen meist in doch zu geringen Mengen. Für die praktische Pferdefütterung ergibt sich hieraus insgesamt die Konsequenz ein Mineralfutter bzw. im Winter ein vitaminisiertes Mineralfutter zu zugeben. Eine einseitige Hafer / Heufütterung könnte ansonsten langfristig doch zu Stoffwechselschäden führen. Überlagerter gequetschter Hafer wird leicht ranzig, dabei wird Vitamin E verbraucht. So kann das Haferquetschen durchaus einen Mangel an Vitamin E nach sich ziehen. Falls überhaupt, empfiehlt es sich daher immer nur wenige Tagesportionen vorzubereiten und diese zügig zu verbrauchen.

 

Pferde nicht überfüttern

Die insgesamt sehr gute Verdaulichkeit des Hafers im Dünndarm des Pferdes, das Quetschen bringt hier keinen deutlichen Vorteil, stößt allerdings auf Grenzen, wenn die Pferde zu viel Hafer erhalten haben. Durchfall und Krampfkoliken können sehr schnell auf eine Haferüberfütterung folgen, was sich dann meist auf einen zu hohen Stärkegehalt im Dünndarm zurückführen lässt. Kleinpferde sind hier besonders anfällig. Doch es gibt eine praxisbewährte Faustzahl, maximal ein Pfund Hafer pro 100 kg Lebendgewicht bei zweimaliger Vorlage pro Tag sollten die Pferde erhalten. Wer die Möglichkeit hat, sollte die Pferde unbedingt wiegen lassen, das Lebendgewicht wird meist falsch eingeschätzt. Bei sehr hohem Energiebedarf, zum Beispiel bei Hochleistungspferden im Turniereinsatz, muss dann mit einem Ergänzungsfutter zugefüttert werden. Auch im Mischfutter kann bis zu 75% Hafer eingesetzt werden. Grundsätzlich müssen die Pferde bei jedem Kraftfuttereinsatz regelmäßig bewegt bzw. belastet werden. Ist dies nicht möglich, so ist die Kraftfuttermenge auch zur Vermeidung von Kreuzverschlag an den sogenannten Stehtagen deutlich zu reduzieren. Bei wiederholtem Kreuzverschlag ( auch bei RER und PSSM Genträgern, häufiger bei Vollblut und Western Pferden) sollte allerdings jede Getreidefütterung bei den betroffenen Tieren eingestellt werden. Das Sprichwort „den sticht der Hafer“ ist wohl auf die gute Verdaulichkeit und auf den Energieschub des Getreides zurückzuführen. Das es Pferde gibt, die auch bei korrekter Dosierung und ausreichender Belastung übernervös auf Hafergaben reagieren, wird in der Praxis häufig diskutiert. Aktuelle Untersuchungen zeigen, dass zuckerreiches Futter ( Kraftfutter, Getreide, Zucker) endogene Botenstoffe beim Pferd freisetzen kann, welche bei hohen Gaben übernervöses Verhalten bei hierfür besonders empfindsamen und weniger stressresistenten Pferden doch vermehrt auslösen können.

 

Nach der Ernte sorgfältig lagern

Für den Landwirt hat der Futterhafer niedrige Produktionskosten und einen guten Fruchtfolgewert. Trotzdem wurde der Haferanbau bei uns in den letzten Jahrzehnten um fast 40 Prozent reduziert, erst seit 2008 sind die Anbauflächen bei uns wieder leicht angestiegen. Nicht in jedem Jahr lässt sich Hafer von guter Futterqualität anbauen, was deutliche Unsicherheiten bei der Vermarktung nach sich zieht. Die Haferfütterung kann in der Pferde-Praxis tatsächlich dann problematisch werden, wenn die Qualität des Getreides nicht mehr stimmt. Vor allem falscher Umgang mit dem Futterhafer kann zu einer hohen Keimbelastung und auch Staubbelastung führen. Bei Stichprobentests in den letzten Jahren zeigte sich doch schon jede dritte Probe hier zu stark belastet. Bei hoher Keimbelastung stimmen die Lagerbedingungen meist nicht. Hafer muss nach der Ernte auf 14 Prozent Restfeuchtigkeit sorgfältig getrocknet werden, wird er über längere Strecken transportiert sind 12 Prozent nötig. Anschließend ist eine saubere und trockene Lagerung erforderlich, das Getreide darf auch nicht in der feuchten Stallluft gelagert werden. Um die Keimbelastung nach der Ernte zu reduzieren und um die sogenannte Schwitzphase des Getreides zu überbrücken, wird vor dem Verfüttern allgemein eine Mindestlagerzeit von sechs bis acht Wochen empfohlen. Wird zu frisch gefüttert, steigt das Risiko für Koliken ganz erheblich.

 

 

 

Die Keimbelastung beachten

Auf dem Futtermarkt wird Weiß-, Gelb- oder Schwarzhafer angeboten. Schwarzhafer hat einen wenig erhöhten Eiweißanteil. Doch insgesamt unterscheiden sich die verschiedenen Farbsorten für das Pferd nicht im Futterwert. Bei allen Sorten ist der Körnerquerschnitt hellgelb bis weiß. Grauer oder dunkler Querschnitt und dunkle Beläge deuten auf Schimmelpilze, solcher Hafer ist leicht zu erkennen und darf nicht verfüttert werden. Grundsätzlich dürfen auch keine dumpfig-muffigen, verunreinigten oder gar feuchte Partien eingesetzt werden. Auch bei Milbenbefall darf das Getreide nicht verwendet werden. Auf den Milbenkot reagieren viele Pferde heute mit asthmaähnlichen Anfällen. Hafer mit Erde, Staub und Unkrautsamen sollte vor dem Füttern gereinigt werden. Der Restfeinstaub wird bei staubempfindlichen Tieren am besten in der Krippe mit wenig Wasser oder mit Melasse gebunden. Quetschhafer wird, wenn überhaupt, immer nur in kleinen Partien hergestellt und umgehend verbraucht. Die Landwirtschaftlichen Untersuchungsanstalten bieten heute eine praxisgerechte Prüfung auf den Gesamtkeimgehalt von Futterhafer an. Es lohnt sich auch den Futterhändler nach einem solchen Untersuchungsergebnis zu fragen. Die Keimbelastung des Hafers hängt auch von dem sogenannten Hekto-Liter-Gewicht ab. Leichtere Körner haben meist mehr Eiweiß, erhöhte Keimbelastung und reduzierte Verdaulichkeit.

 

Genauer Futterwert mit Laboranalysen

Für Pferde wird allgemein Hafer mit einem Litergewicht über 540 g empfohlen, doch neuere Studien zeigen eindeutig, dass zwischen dem Litergewicht und dem tatsächlichen Energiegehalt des Getreides nahezu keine Verbindung besteht. Untersucht wurden Proben zwischen 470g und 630g Litergewicht. Mit steigendem Litergewicht kann zwar allgemein ein leichter Abfall von Rohfasergehalt und von Rohproteingehalt und ein geringfügiger Anstieg des Rohfettgehaltes beobachtet werden. Doch zwischen der Höhe des Litergewichts und der Höhe des Energiegehaltes bestehen beim Hafer nahezu keine Verbindungen. Um den wahren Futterwert von Hafer genau festzustellen, sind aufwendige Laboranalysen erforderlich. Dies lohnt sich in der Praxis allerdings wenig und wird so den Verbrauchern großer Mengen vorbehalten bleiben. Partien unter 460g sollten aber, schon wegen einer zu erwartenden höheren Keimbelastung, auch in der Kleinpferdefütterung, nicht mehr eingesetzt werden.
 


Nur bei geprüfter Qualität ein optimales Pferdefutter

Insgesamt lässt sich festhalten, bei geprüfter Qualität und mit Ergänzung eines vitaminisierten Mineralfutters ist und bleibt der Hafer ein optimales Pferdefutter. Die Futtermenge kann hier dem jeweiligen Bedarf der Pferde gut angepasst werden. Der Bedarf sollte aber nach dem Alter, nach der Leistung und nach den Besonderheiten jedes Einzeltieres ausgerichtet sein. Pro Tag wird, bei dann mehrmaligen Gaben, insgesamt höchstens ein kg Hafer pro 100 kg Lebendgewicht empfohlen.

 

 

Dr. Ines von Butler-Wemken