07-06-2009

 

01-12-2009

Und es geht doch… Hengsthaltung, wie sie sein sollte

 

Auf der Suche nach einem Verkaufspferd stieß ich vor einiger Zeit auf „Sparrow Hill Stable“ im wunderschönen Bliesgau, nahe der französischen Grenze. 

 

 

Das Objekt meiner Begierde war ein zweijähriger Hengst, den ich mir genauer ansehen wollte. Hierzu musste ich erstmal sportlich einige Hügel erklimmen und riesige Koppeln durchqueren, um dann auf eine neunköpfige Herde bunter und weniger bunter Pferde zu treffen. Als erstes begrüßte mich ein imposanter Painthengst, der den Posten des Herdenwächters inne hat. Es handelte sich um den rancheigenen Deckhengst und der nimmt seinen Job ernst. Man merkte sofort, dass er ein absolut gutmütiges, ausgeglichenes Wesen hat, trotzdem war mir nicht so ganz wohl bei dem Gedanken, dass ich mitten auf der Koppel stehe.

 

 

Beim Herannahen der anderen neun Pferde erklärt mir Margit Hoffmann, die Besitzerin der Ranch, alle Einzelheiten. „Ghost“ der Deckhengst lebt mit zwei Zweijährigen und drei Jährlingshengsten, sowie dem ehemaligen Deckhengst „Joe“ und drei weiteren Wallachen in einer Herde.  

 

 

 

Das Zusammenleben der Jungs verläuft dermaßen harmonisch, dass ich ganz schnell vergesse, dass ich mitten in einer Hengstherde auf der Koppel stehe. Tatsächlich geht es in Stutenherden oft rauer zu. Die jungen Hengste kennen ihren Platz in der Herde ganz genau und messen ihre Kräfte höchstens mal im Spiel. Die alten Wallache sind wie graue Eminenzen, die ihre Position durch minimale Drohgebärden zu verteidigen wissen.

 

 

Nach vielen Besuchen, die mich immer wieder erstaunten und begeisterten, bin ich nun stolze Besitzerin eines zweijährigen Quarterhorse-Hengstes, der sein zukünftiges Hengstleben natürlich im Herdenverband verbringen darf und von seinen Koppelfreunden bestens erzogen wird.  Da der kleine Hengst unser Familienpferd ist, sind auch meine Kinder täglich auf der Koppel inmitten der Hengste.  Mein achtjähriger Sohn hat sich irgendwann „Ghost“, den Deckhengst als besten Freund ausgesucht. Oder war es „Ghost“ der sich ihn aussuchte? Das ist schwer zu sagen.  Nun trottet der große Hengst gutmütig hinter ihm her und wartet auf Streicheleinheiten.

 

 

 

Dies sind Szenen, die sich jeder Hengsthalter  oder -besitzer vor Augen halten sollte, wenn er seinen Sportkameraden in „Einzelhaft“ hält. Ganz sicher eignet sich nicht jeder Hengst für die Herdenhaltung, da die Aufzucht, der Charakter und das Temperament des Pferdes ein große Rolle spielen. Auch wird der erste Kontakt mit anderen Pferden womöglich etwas unbeherrscht ausfallen. Doch von vorn herein anzunehmen, dass ein Hengst nicht mit einem oder mehreren Artgenossen auf der Weide stehen kann, sollte man überdenken.

 

 

 

 

 

 

Text u. Fotos: Angela Dinter, Infos zur Haltung bei www.sparrow-hill-stable.de